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			<titleStmt>
				<title>Erntebräuche</title>
				<title xml:lang="deu">Erntebräuche</title>
				<title xml:lang="hsb">Žnjowe nałožki</title>
				<title xml:lang="dsb">Žnjowe nałogi</title>
				<title xml:lang="eng">Harvest Traditions</title>
				<author>
					<persName key="ed_rjf_wtb_f3b">Hose, Susanne</persName>
				</author>
				<author>
					<persName key="ed_exw_cn4_2mb">Noack, Martina</persName>
				</author>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
			</publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
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		<profileDesc>
			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Rituale und Zeremonien, die Beginn und Abschluss der Getreideernte begleiten. Sie
					regeln die Arbeitsabläufe während der Ernte und normieren das Erntefest.
					Erntebräuche haben sich in Abhängigkeit von der agrarischen Verfassung der
					jeweiligen Landschaft entwickelt.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="hsb">
				<p>Rituale a ceremonije, kotrež přewodźuja spočatk a zakónčenje žitnych žnjow. Wone
					rjaduja dźěłowe wotběhi při žnjach a normuja žnjowy swjedźeń. Žnjowe nałožki su
					so wotwisnje wot agrarneje situacije dateje krajiny wuwiwali.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="dsb">
				<p>Rituale a ceremonije, kenž pśewóźuju zachopjeńk abo zakóńcenje žnjow. Wóni rěduju
					źěłowe wótběgi pśi žnjach a norměruju žnjowny swěźeń. Žnjowne nałogi su se
					wótwisnje wót agrarnych wobstojnosćow daneje krajiny wuwili.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="eng">
				<p>Rituals and ceremonies that accompany the beginning and end of the grain harvest.
					They regulate the work processes during the harvest and lay out standards for
					the harvest festival. Harvest customs have developed depending on the agrarian
					constitution of the respective landscape.</p>
			</abstract>
			<textClass>
				<keywords>
					<term key="Bräuche">Brauch</term>
					<term key="Brauchtum">Brauchtum</term>
					<term key="Kokot">Kokot</term>
					<term key="Sommer">Sommer</term>
					<term key="Reiterspiele">Reiterspiel</term>
					<term key="Erntekönig">Erntekönig</term>
					<term key="Spiel">Spiel</term>
					<term key="Ernte">Ernte</term>
					<term key="Lausitz">Lausitz</term>
					<term key="Hahnenrupfen">Hahnrupfen</term>
					<term key="Hahnschlagen">Hahnschlagen</term>
					<term key="Kirmes">Kirmes</term>
					<term key="Niederlausitz">Niederlausitz</term>
				</keywords>
			</textClass>
		</profileDesc>
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				<p>Rituale und Zeremonien, die Beginn und Abschluss der Getreideernte begleiten. Sie regeln die
					Arbeitsabläufe während der Ernte und normieren das Erntefest (→ <rs type="term"
						key="Bräuche">Bräuche</rs>). Erntebräuche haben sich in Abhängigkeit von der
					agrarischen Verfassung der jeweiligen Landschaft entwickelt. Die Aufhebung von
						<rs type="term" key="Leibeigenschaft">Leibeigenschaft</rs> und <rs
						type="term" key="Roboten">Roboten</rs> im 19. Jh. führte in Preußen, wo
					Verordnungen zum Bauernschutz fehlten, zum Aufkauf der kleinen Bauerngüter durch
					die Gutsherrschaften. Es entstand die Schicht der besitzlosen Landarbeiter, die
					sich zur Ernte- und Druschzeit auf den Gütern verdingten. Die von ihnen
					geprägten Erntebräuche wie das „Binden und Lösen“ als Anfangsbrauch oder das
					Erntedankfest widerspiegeln ihre Rechtsansprüche gegenüber dem Gutsherrn. Wegen
					der Mobilität der Saisonarbeiter ähneln sich die Erntebräuche besonders in
					Brandenburg, Mecklenburg, Pommern und Schlesien. <persName key="ed_tnd_tl4_2mb"
						>Kuno Frankenstein</persName> (1892) bezeichnete die <rs type="term"
						key="Sorben">Sorben</rs> als tüchtige Erntekräfte, die wegen ihrer
					„Bedürfnislosigkeit und Treue“ auch außerhalb der <rs type="term" key="Lausitz"
						>Lausitz</rs> gern in Dienst genommen wurden. In Sachsen blieb nach 1832 die
					bäuerliche Agrarstruktur neben der gutsherrschaftlichen erhalten. Während für
					die Beschäftigten auf dem Rittergut das Erntefest das bedeutendste Fest war,
					dominierte in den bäuerlichen Wirtschaften der <rs type="term" key="Oberlausitz"
						>Oberlausitz</rs> die <rs type="term" key="Kirmes">Kirmes</rs> als das
					wichtigste Hochfest. Hier hatte sich das Gedenken an die Kirchweihe mit dem
					Erntedank verbunden. </p>
				<p>Beginn der Mahd war der Jakobustag (25. Juli). Schnitter und Binderin bzw. Abrafferin
					bildeten ein Arbeitspaar, dessen Zusammenstellung innerhalb des Gesindes
					hierarchisch geordnet war. Die Schnitter bekamen von ihren Binderinnen ein
					Sträußchen Feld- oder Kunstblumen für Hut und Sense (→ <rs type="term"
						key="Fastnacht">Fastnacht</rs>). In einigen Orten östlich von <rs
						type="term" key="Bautzen">Bautzen</rs> wurde zur Übergabe das sog.
					Schnitterlied „Dźewjaty dźeń lipa kće“ (Am neunten Tag blüht die Linde)
					gesungen, das <persName key="ed_vkv_nwx_vhb">Handrij Zejler</persName> 1847 mit
					dem Wunsch, die Jugend möge es in ihr Repertoire aufnehmen, in der Zeitung
					„Tydźenska nowina“ veröffentlichte. Mit dem „Binden“ signalisierten die
					Landarbeiter dem Gutsherrn, dass sie während der Ernte die „Herren über die
					Felder“ waren. Die 1865 von <persName key="ed_qvf_r4w_cmb">Wilhelm
						Mannhardt</persName> erfassten Belege stammen mehrheitlich aus der <rs
						type="term" key="Niederlausitz">Niederlausitz</rs>, wenngleich der
					Erntebrauch in der gesamten Lausitz bekannt war. <persName key="ed_dgv_mnv_vhb"
						>Arnošt Muka</persName> führte das Binden im niedersorbischen Wörterbuch
					unter <ex>wězaś, wuwězaś někogo</ex> als „wendische Sitte der Arbeiter“ an.
					Schnitter und Abrafferinnen „banden“ den Gutsherren und jeden anderen Besucher
					auf dem Feld mit einem Strohband und einem Segensspruch, wie ihn <persName
						key="ed_jfl_zyx_vhb">Ewald Müller</persName> (1893) für <placeName
						key="ed_ssk_xfh_vhb">Bagenz</placeName> notierte. Der Gebundene musste sich
					mit Geld, Bier oder Branntwein freikaufen bzw. „lösen“.</p>
				<p><graphic url="https://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Erntebräuche_01.jpg"/>Froschkarren in Drachhausen, 1995; Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Nach Einfuhr der Ernte gab die Gutsherrschaft ein Erntefest, das in der Oberlausitz
						<ex>wroblaca kermuša</ex> (Sperlingskirmes) genannt wurde. Auf Bauernhöfen
					sagte man auch <ex>domchowanka</ex> (Heimbringen) oder <ex>mała kermuška</ex>
					(kleine Kirmes) zur Einfuhr der letzten Garbe; der Bauer lud zum „Vertrinken
					des Sträußchens“ bei Festmahl und Tanz ein. Für die Niederlausitz nannte Müller
					den Begriff „Lobetanz“. Laut der Befragungen durch Mannhardt und <persName
						key="ed_km4_xyx_vhb">Wilibald von Schulenburg</persName> (1882) bezeichnet
						<ex>lobdanc</ex> nur das kirchliche Erntedankfest, das in der
					Reformationszeit mit dem Michaelistag (29. September) verknüpft wurde und heute
					meist entweder am letzten Sonntag im September oder am ersten Sonntag im Oktober
					gefeiert wird. Der Altarraum der Kirche wird mit Feld- und Gartenfrüchten
					geschmückt, die die Gemeinde heute an karitative Einrichtungen verschenkt;
					früher erhielt sie der Pfarrer.</p>
				<p>Typische Elemente des weltlichen Erntefestes, das nach dem Hahn <ex>kokot</ex> (niedersorb.
					für Hahn) genannt wird, sind das Einbringen der letzten Garbe mit einem zuvor im
					Feld gefangenen Hahn, die Übergabe von Erntekranz oder -krone an den Gutsherrn,
					der Tanz und der Ernteschmaus mit Freibier und Branntwein. Für die Oberlausitz
					verzeichneten die Mannhardt-Belege üppige Festessen mit Wettspielen und Tanz auf
					den Gutshöfen in <placeName key="ed_mx2_mn3_vhb">Milkel</placeName>, <placeName
						key="ed_xpz_3t3_vhb">Rackel</placeName> und <placeName key="ed_uqf_4dj_vhb"
						>Weißenberg</placeName>, die von Dudelsackspielern (→ <rs type="term"
						key="Volksmusikant">Volksmusikanten</rs>) begleitet wurden. Verbreitet war
					der Brauch, die letzte Garbe in Gestalt einer Puppe als „den Alten“ zu
					übergeben. In der Oberlausitz wurde „der Alte“ nach Beendigung des Druschs auf
					die Tenne eines Bauernhofs geworfen, der noch bei der Arbeit war. In der
					Niederlausitz ließ der Gutsherr die Erntearbeiter durch Musikanten abholen, die
					den Zug geschmückter Erntewagen und Gerätschaften durchs Dorf zum Gutshof
					anführten. Mancherorts eröffnete das Schnitterpaar, das die letzte Garbe
					gebunden hatte, in Verkleidung als „Alter“ und „Alte“ (→ <rs type="term"
						key="Weihnachtsbräuche">Weihnachtsbräuche</rs>) mit den Gutsbesitzern den
					Tanz. Zum Ernteschmaus gehörten Butterbrote, Fleisch- und Biersuppe,
					Schweinebraten mit Sauerkraut, Erbsenbrei, Milchhirse und Kuchen (→ <rs
						type="term" key="Küche">Küche</rs>). Erste Zeichen der „Verbürgerlichung“
					traten in den 1870er und 1880er Jahren auf, als einige Gutsherren die Tradition
					des Erntefestes durch Verteilung von Lebensmitteldeputaten und Geldprämien
					ersetzten. Mit der Modernisierung der Anbautechniken und dem Einsatz von Mäh-
					und Dreschmaschinen am Ende des 19. Jh. setzte ein massiver Bedeutungswandel der
					Erntebräuche ein.</p>
				<p><graphic url="https://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Erntebräuche_02.jpg"
					/>Mädchen mit Stollen beim Stollenreiten in Caminchen, 1955; Sorbisches
					Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Der Hahn tritt bei der Ernte in mehreren Sinnzusammenhängen auf. Als das männliche Prinzip
					verkörpernder Vegetationsgeist hatte er mit Einbringen der Ernte seine Funktion
					erfüllt und war schlachtreif. Manche sahen in ihm einen Korndämon. Der „Hahn“
					wurde mit der Erntekrone vom Feld gebracht oder schmückte das letzte Fuder. Nach
					Muka bezeichnet <ex>kokot</ex> metaphorisch den Erntekranz, niedersorb.<ex>
						kokota łapiś</ex> das Erhaschen des Kranzes. In der <rs type="term"
						key="Östliche Lausitz">Östlichen Lausitz</rs> wurde das Erntefest
					„Erntekranz“ oder „zu Hahne gehen“ genannt. Einen hölzernen Hahn musste der
					Gutsherr gegen einen lebenden austauschen, der dann im Spiel getötet und
					gemeinsam verspeist wurde. In <placeName key="ed_jw1_jx3_vhb"
						>Schmogrow</placeName> oder in <placeName key="ed_sqh_5v3_vhb"
						>Ruben</placeName> versteckte der Gutsherr im letzten Getreideschwaden einen
					Hahn, der von den Schnittern gefangen und erschlagen wurde. Eine andere
					Interpretation verweist auf den Anteil des Getreides, der den Arbeitern als
					Naturallohn zustand. Je nach Verhandlung mit dem Gutsherrn war das jede 10. bis
					16. Garbe, die mit Reisig markiert wurde und dabei wie ein Hahn aussah. Die
					letzte Garbe hieß in Brandenburg die „Hahngarbe“; die Binderin, die sie gebunden
					hatte und die Erntekrone trug, war die „Hahnjungfer“. Die Bezeichnung „Hahn“ für
					das Erntefest war auch in Westfalen, Braunschweig, Hannover, Mecklenburg,
					Pommern und Schlesien geläufig. In Brandenburg hatte sich laut Mannhardt „das
					Hahnschlagen“ zum Volksspiel entwickelt. In der Oberlausitz wurde der letzte
					Flegelschlag auf der Tenne als „Erschlagen des Hahns“ bezeichnet. Bei dem
					erstmals von <persName key="ed_clc_f5x_vhb">Abraham Frencel</persName> (um 1720)
					im Zusammenhang mit anderen Wettkämpfen (→ <rs type="term" key="Maibaumwerfen"
						>Maibaumwerfen</rs>) beschriebenen Spiel versuchten die Burschen mit
					verbundenen Augen den bis an den Hals eingegrabenen Hahn mit dem Dreschflegel zu
					töten. Das Hahnschlagen im ausgehenden 19. Jh., bei dem das Tier geschützt in
					einer Grube saß, über die ein Topf gestülpt war, zählte zu den Belustigungen auf
					dem Lande äquivalent zum Vogel- und Scheibenschießen. Es gehörte zu den
					Vergnügen, die Dorfgastwirte um <placeName key="ed_xwx_lgh_vhb"
						>Bautzen</placeName> für städtisches Publikum arrangierten.</p>
				<p><graphic
						url="https://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Erntebräuche_03-scaled.jpg"
					/>Hahnrupfen in Jänschwalde; Nowy Casnik</p>
				<p>Ebenso wie das Hahnschlagen, niedersorb. <ex>zabijanje kokota</ex>, das heute in
					einigen Orten der Niederlausitz von der Jugend veranstaltet wird, haben sich
					andere Wettspiele aus dem eigentlichen Zusammenhang der Erntebräuche gelöst.
					Hahnrupfen (niedersorb. <ex>łapanje kokota</ex>), Kranzstechen (niedersorb.
						<ex>wěncyštapanje</ex>) oder Stoppel- bzw. Stollenreiten (niedersorb.
						<ex>rejtowanje wó kołac</ex>) finden an einem Sonntag in den Sommermonaten
					statt. Sie werden auf ungesattelten Pferden auf einem – ursprünglich dem letzten
					– abgeernteten Feld bzw. einer Wiese ausgetragen. Der Sieger ist Erntekönig,
					niedersorb. <ex>kral</ex>. Die Burschen tragen ein weißes Hemd zur schwarzen
					Hose, die Mädchen die <rs type="term" key="Tracht">Tracht</rs>. Auch sie widmen
					sich Geschicklichkeitsspielen wie dem Frosch- oder Junggesellenkarren,
					Hufeisenweitwurf oder Eierlaufen. Meist begleitet eine Kapelle die zum Festzug
					geordneten Paare zum Feld bzw. von dort zum Tanzsaal. In manchen Orten wird die
					Erntekrone vorangetragen.</p>
				<p>Am weitesten verbreitet ist das Hahnrupfen. Dafür stellt die Dorfjugend ein mit Laubgirlanden
					umwundenes hölzernes Tor auf. An seinem Querbalken hängt, neben kleineren
					Trophäen wie Schnapsfläschchen und Zigaretten, hoch oben kopfüber ein toter
					Hahn. Die Reiter versuchen nacheinander, den Kopf oder einen Flügel des Tiers
					oder einen der aufgehängten Trostpreise zu erhaschen, indem sie im Galopp durch
					das Tor reiten und sich dabei aufrichten. Derjenige, der den Kopf abreißt, wird
					als Erntekönig gefeiert. Er und die beiden Reiter, die einen Flügel erhascht
					haben, erhalten aus Eichenlaub gewundene Ehrenkränze; je einen Kranz bekommen
					auch ihre Pferde. Anschließend dürfen sich die drei „Erntekönige“ mit
					verbundenen Augen unter den Mädchen ihre „Königinnen“ auswählen und mit ihnen
					eine Ehrenrunde tanzen. Danach ziehen alle Beteiligten mit Musik zum Gasthof, wo
					das Erntefest gefeiert und der Hahn zugunsten der Dorfjugend versteigert wird.
					Die Ehrenkränze zieren meist im folgenden Jahr die Höfe der Sieger.</p>
				<p>Unter dem Motto „Super-Kokot“ wird das Hahnrupfen unter allen im laufenden Jahr ermittelten
					Erntekönigen ausgetragen (nach 2000). In einigen Orten – z. B. in <placeName
						key="ed_jsh_cgh_vhb">Bärenbrück</placeName> – befestigt man statt des Hahns
					ein bis drei kleine Kränze im Torbogen, die die Reiter mit Stöcken durchstoßen
					und aushebeln müssen (Kranzstechen). Mancherorts ersetzen Fahrräder, Mopeds oder
					Kähne die Pferde. Das Stolle(n)- oder Stoppelreiten entwickelte sich aus einem
					Reitwettstreit der Hirten zu Pfingsten, später wurde er in die Zeit zwischen
					Pfingsten und Johannis verlegt. Heute wird er im August als Erntebrauch
					begangen. Der Sieger erhält neben den Kränzen einen großen, mit Blumen und
					Spargelkraut geschmückten Stollen, der früher von den Mädchen der <rs
						type="term" key="Spinnstube">Spinnstube</rs> gestiftet wurde. Der Letzte
					bekommt eine geschmückte Pfeife. Am ursprünglichsten hat sich der Brauch in
						<placeName key="ed_ox5_fp3_vhb">Neu Zauche</placeName> bei <placeName
						key="ed_byq_qm3_vhb">Lübben</placeName> erhalten.</p>
				<p>Lit.: K. Frankenstein: Die ländlichen Arbeiterverhältnisse in Hohenzollern,
					Thüringen, Bayern, Hessen, Sachsen, Leipzig 1892; S. Musiat: Zur Lebensweise des
					landwirtschaftlichen Gesindes in der Oberlausitz, Bautzen 1964; I.
					Weber-Kellermann: Erntebrauch in der ländlichen Arbeitswelt des 19.
					Jahrhunderts, Marburg 1965.</p>
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    </text>
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